Schräge Töne …

Assoziationen zu Psychoanalyse und Jazz

 

«Das Psychische ist an sich unbewusst» [Freud 1900a]

 

«Wenn du danach fragen musst, was Jazz ist, wirst du es niemals wissen» [Louis Armstrong]

 

«Psychoanalyse begann als eine Therapie, aber nicht als Therapie wollte ich sie Ihrem Interesse empfehlen, sondern wegen ihres Wahrheitsgehalts, wegen der Aufschlüsse, die sie uns gibt über das, was dem Menschen am nächsten geht, sein eigenes Wesen, und wegen der Zusammenhänge, die sie zwischen den verschiedensten seiner Betätigungen aufdeckt.» [Freud 1933a]

Selbstbewusst warb Freud – hier im Rückblick – für die von ihm entwickelte Psychoanalyse als Heilkunst von hohem Erkenntniswert und tiefen Einsichtsmöglichkeiten charakterisiert. Freud schätzte bestimmte Philosophen, die Künste und das Schöpferische sehr und zog in seinem Werk mehrfach Analogien zwischen seiner Arbeit und dem künstlerischen Schaffensprozess. Bei den Künstlern war ihm eine spezielle Kompetenz aufgefallen, nämlich, «dank besonderer Begabungen seine Phantasien zu einer neuen Art von Wirklichkeit» umwandeln zu können. Die moderne Psychoanalyse verfügt nun über eine Reihe sehr differenzierter diagnostischer Instrumentarien sowie ausgearbeitete und praxiserprobte Behandlungsstrategien, die den Erkenntniswert und die Möglichkeit des vertieften Verstehens der eigenen Person und ihrer Geschichte noch gesteigert haben – sie lässt sich aber auch als ein erheblich weiterentwickeltes Psychotherapieverfahren bestens empfehlen.

Eine wichtige Zielsetzung der psychoanalytischen Arbeit an inneren, unbewussten Konflikten und strukturellen Defiziten besteht in der Reduktion neurotischer Einschränkungen bei gleichzeitiger Erweiterung der psychischen Kompetenz für den Umgang mit sich selbst und anderen. Der Weg zu diesem Ziel geht über die systematische Analyse spontaner („freier“) Assoziationen des Analysanden zu aktuellen Geschehnissen, den Erinnerungen, Phantasien und Träumen, und all dies unter Berücksichtigung der Interaktionsdynamik zwischen dem Analysanden und dem Analytiker. Mit dieser komplexen Methode kann ein schöpferischer Prozess in Gang gesetzt werden, der den Zugang zur Innenwelt des Analysanden ermöglicht und hilft, zu den unbewussten Motiven, psychopathologisch fixierten Überzeugungen und entwicklungsblockierenden Hemmungen vorzudringen. Im Verlauf der analytischen Arbeit werden dann innere Vorgänge transparenter, und Einblicke in die eigene Geschichte und Neubewertungen des Vergangenen möglich. Idealerweise werden diese Erfahrungen integriert, und der Analysand erwirbt oder erweitert die Fähigkeit zu einer selbstbestimmten Regulation seines Seelenlebens.


Jazz habe ich hier ausgewählt, weil ich ihn besonders schätze, bin mir aber im Klaren, dass die meisten thematischen Bezüge auch auf Musik überhaupt anwendbar wären.
(Die Zitate von Freud stammen aus den Gesammelten Werken (G. W.), die von Jazzgrößen aus: Berendt, Joachim-Ernst (1953), Das Jazzbuch, Frankfurt a.M. (Fischer), Neuauflage 2005: überarbeitet und erweitert von Günther Huesmann)